Ausgangspunkt ist eine One Minute Sculpture von Erwin Wurm, die ich in einem Museum beobachtet und fotografiert habe. Zwei Besucher*innen nehmen die vorgegebene Pose ein, aber ihre Aufmerksamkeit gehört ihren Handys. Die Skulptur findet formal statt, aber das dafür vorgesehene „gemeinsame Jetzt“ kollabiert.
In meiner Arbeit versuche ich, diesen Moment in einem anderen Medium zu rekonstruieren. Ich setze mich vor die Projektion des Fotos und versuche, die Szene als Aquarell in exakt einer Minute festzuhalten. Die schnelle Verdunstung des Wassers, das Zerfließen der Pigmente und der Zeitdruck erzeugen ein instabiles Bild, das sich der Fixierung entzieht.
Nach der Aquarellphase wird das Setting erweitert: Auf einem zweiten Bildschirm werden Videoaufnahmen von Museumsbesucher*innen gezeigt, die ich über eine CCTV-Kamera aufgezeichnet habe. Ihre Bewegungen, Haltungen und Verhaltensmuster werden von mir in Echtzeit nachgezeichnet und in das fragliche „eine Minute“ Raster übersetzt. Ich fungiere als Übersetzerin zwischen Bild, Körper und Zeit: Ich muss alles nachmachen, aber immer unter der Bedingung limitierter Aufmerksamkeit und limitierter Dauer.
Die Arbeit untersucht, wie Skulpturalität unter Bedingungen verteilter Aufmerksamkeit entsteht und wie sich Wahrnehmung materialisiert, wenn das „Jetzt“ nicht geteilt wird, sondern in mehrere Kanäle aufgespalten ist.
Zwei Personen sitzen Rücken an Rücken auf dem Boden. Ihre Augen sind mit demselben Stoff verbunden, der beide Köpfe umfasst. Die Körper sind leicht aneinander fixiert, doch zwischen ihren Rücken steckt ein dünnes Blatt Papier.
Über Kopfhörer oder im Raum hören beide dieselbe, konstante Frequenz. Plötzlich bricht der Klang ab oder verändert sich abrupt. Beide Körper reagieren gleichzeitig mit Zucken, Anspannung, Rückzug ohne einander sehen zu können, ohne sicher zu wissen, wie der/die andere reagiert hat.
Nach der Performance bleibt nur das Blatt Papier übrig: Es trägt Druckstellen, leichte Risse und minimale physische Dokumentation einer geteilten Erfahrung, die fast nicht sichtbar ist. Das Papier wird als eigenständige Arbeit präsentiert: eine Skulptur der Berührungsgrenze.
„Berührungsgrenze“ untersucht Nähe als etwas, das nur mit Distanz möglich ist. Die Körper versuchen, sich einander anzunähern, ohne sich wirklich sehen oder direkt berühren zu können. Das zentrale Objekt ist nicht der Körper, sondern die dünne Schicht dazwischen.
Ausgangspunkt ist die Frage, ob sich eine Person ohne Bild, Sprache und Biografie identifizieren lässt. Besucher*innen werden gebeten, eine ihnen nahestehende Person ausschließlich über Gerüche und Texturen zu beschreiben: Lavendel, Chlor, Weichspüler, Zitrone, kalter Rauch, feuchte Wolle usw.
Aus diesen Angaben werden Duftkerzen als olfaktorische Portraits gegossen. Jede Kerze repräsentiert eine abwesende Person, ohne dass diese benannt wird.
In einem Blindtest versuchen Fremde, die Kerzen den beschriebenen Personen zuzuordnen. Scheitern und Zufall werden dokumentiert. Die Zuordnung ist nicht das Ziel, sondern die Verschiebung zwischen Erinnerung, Material und Interpretation.
Am Ende der Präsentation werden die Kerzen vollständig abgebrannt, das Portrait verschwindet, nur das Protokoll bleibt.
Auslöser der Arbeit ist ein wiederkehrender Witz, den ich selber, seitdem ich nach Wien gezogen bin, oft gehört habe: „Rumänen bzw. Migranten ,,stehlen''.“ Oft von Menschen, deren eigene Identität durch Migration, Hybride und Mehrsprachigkeit geprägt ist. Statt darauf rhetorisch zu reagieren, nehme ich das Stereotyp wörtlich und lenke es um.
Über mehrere Wochen „stehle“ ich ausschließlich kostenlose Stadtpläne aus Hotels und Touristenzentren. Die Pläne werden nicht verwendet, sondern an Orten abgelegt, an denen sie nicht vorgesehen sind: Vororte, Wohnblöcke, Bushaltestellen, leere Eingänge, Abstellräume.
Die Stadtpläne werden so zu migrierenden Objekten, die ihre Funktion verlieren und neue Bedeutungen annehmen: Orientierung dort, wo niemand damit rechnet, und Desorientierung dort, wo Orientierung institutionalisiert ist.
Für die Ausstellung entsteht eine große Karte von Wien, in der alle Ablageorte markiert sind. Die Karte funktioniert als Diagramm von Verteilung, Umverortung und Zugehörigkeit ohne Zentrum.